BACK IN GERMANY

In den letzten Tagen in Australien habe ich mich unheimlich gefreut wieder zurück nach Hause zu fliegen! Es gab keine bestimmten Grund weswegen ich unbedingt wieder weg wollte, in meinem Fall war es vor allem die Vorfreude meine Erfahrungen und Erlebnisse die ich in den 7 Wochen gemacht hatte, mit meinen Mitmenschen zu teilen und zu erzählen und meine Mitbringsel zu verschenken.

Und – ich wusste ganz genau was auf meinem Plan steht wenn ich in Köln angekommen bin: Recovery, relaxen, nichts zu, ein Cool-Down von einer Woche..einfach hart chillen! Seit mindestens vier Monaten habe ich mich genau davor gegrault. Auf keinen Fall wollte ich eine Trainingseinheit verpassen, geschweige denn eine ganze Woche lang nichts tun. Doch nun war genau der richtig Zeitpunkt dafür gekommen. Außerdem war ich immer noch angeschlagen und meine Krankheit noch nicht komplett auskuriert (was in den letzten, stressigen Tagen in Australien einfach nicht möglich war). Ich wollte also richtig Gesund werden und die Zeitumstellung in den Griff bekommen. Genau dafür konnte ich mir nun die Zeit nehmen, denn das straffe Programm sollte schon ziemlich bald weiter gehen…

Seit dem 21. Oktober trainieren die Nationalspielerinnen am Bundesstützpunkt in Köln gemeinsam mit dem neuen Nationaltrainer Michael James Hooke. Zwei Wochen später konnte ich dazustoßen und habe also durch meinen Aufenthalt in Australien gerade mal sechs Rugbyeinheiten verpasst.

Was bisher geschah…

Am Ende der letzten Saison, also nach der Europameisterschaft im Juni 2014, hatte die damalige Nationaltrainerin Susanne Wiedemann dem Deutschen Rugby Verband mitgeteilt, in Zukunft die Frauen 7er-Nationalmannschaft nicht weiter bei Maßnahmen und Turnieren zu betreuen. Nach einer zweiwöchigen Pause aller Spielerinnen die an der Europameisterschaft teilgenommen hatten, fand daraufhin erstmal kein weiterführendes Training statt. Es gab weder ein gemeinsames Rugbytraining am Bundesstützpunkt in Köln, noch einen Trainingsplan für Lauf-, Kraft- oder Koordinationstraining für die Kaderathletinnen. Die sieben Sportsoldatinnen wurden vom Verband für die Zeit bis September freigestellt und waren somit für ihr Training selbstverantwortlich. Kein Trainer war in dieser Zeit für die Nationalmannschaft verantwortlich. 
Auf der Suche nach einem neuen Nationaltrainer entstand eine Übergangslösung um das Rugbytraining am Bundesstützpunkt in Köln weiterzuführen. Eric Daniel, Trainer der 1. Herrenmannschaft des ASV Köln Rugby, übernahm ab dem 16. September die Leitung des Rugbytrainings montags bis donnerstags im Rugbypark – “es ist mir eine Ehre solche jungen und talentierten Frauen zu trainieren”.

Ebenfalls neu im Frauen-Rugby Business ist Melvine Smith. Er wird neben Head-Coach “Hookey” als Co-Trainer fungieren und immer Mittwoch das Rugbytraining übernehmen in dem er den Fokus vor allem darauf legt, an der “Spielübersicht” zu arbeiten, sowie am sogenanntem “decision making”. Am Dienstag findet das Rugbytraining nur mit Hookey statt und am Donnerstag betreuen uns beide beim Rugbytraining.

Nachdem ich (verletzungsbedingt) anderthalb Jahre fast nur neben dem Platz stand und beim Training zuschauen musste, war ich sehr gespannt darauf nun mit den Mädels hier in Köln wieder richtig zusammen zu trainieren. Seit den letzten Monaten in denen ich wieder so weit war um Rugby zu spielen, tat ich das mit einer Mannschaft in Belgien, mit meinem Verein aus Berlin und mit den Tribe 7s in Australien. Hier in Köln wartete somit etwas ziemlich neues auf mich. Und das habe ich in den ersten Einheiten auch gemerkt. Das Zusammenspiel war ziemlich problematisch, denn die Pässe kamen nicht dort an wo sie hin sollten. Obwohl ich schon so lange mit den meisten Spielerinnen zusammenarbeite, kann von einem “wir verstehen uns auch blind auf dem Platz” derzeit absolut nicht die Rede sein. Deshalb muss ich reden, reden, reden und das noch genauer und lauter und zu jeder Zeit auf dem Platz! In den nächsten Wochen und Monaten wird es wichtig sein die drei Trainingseinheiten zu nutzen um einandern vertraut zu werden, das Spiel der Mitspielerinnen lernen zu lesen und uns gemeinsam auf die anstehende Saison bestmöglich vorzubereiten!

 

CENTRAL COAST SEVENS

Nachdem ich zwei Tage in Sydney verbracht habe, konnte ich es nicht mehr erwarten am Freitag endlich nach Newcastle zu fahren. Ich habe mich so unglaublich auf das Turnier gefreut (vor allem weil ich das vorige Turnier nicht spielen konnte, da ich ziemlich erkältet war) – doch ich musste immer noch einen Tag Geduld haben. Im Laufe des Freitags trudelten wir alle am Campingplatz in Newcastle ein – die Tribe Girls & Boys aus Brisbane, Sydney, Canberra usw. Die Trainer hatten unseren Captain gebeten ein paar Kennlernspiele mit allen zu starten, was vor so einem Turnier auf jeden Fall eine super Idee ist, da wir wirklich ziemlich zusammengewürfelt waren. Aber da wir 12 Mädels in einem Bungalow zusammen untergebracht waren, der eigentlich für 6 Personen gedacht ist, war das schon die perfekte Teambildenen-Maßnahme für uns! Wir hockten also den ganzen Tag zusammen, haben zum Spaß ein paar Spiele gespielt und in kürzester Zeit waren wir uns so vertraut als würden wir schon ewig in diesem Bungalow zusammen wohnen. (Die Mädels haben sich fast darum gestritten wer auf der Couch schlafen darf oder im Schlafsack – ein normales Bett wäre ja auch total langweilig…mein Glück also ;) ) Nach einem gemeinsamen Dinner mit alles Tribe Spielern-und Spielerinnen und Staff konnte das Turnier, Central Coast 7s, nun endlich starten!

Brasilien vs. Tribe 7s – mit dieser Begegnung starteten wir Ladies unseren ersten Turniertag auf Ground 1 – dem Platz, auf dem die Aussie-Girls drei Spiele zuvor das Turnier eröffnet hatten! Unser Warm-Up verlief hoch konzentriert, der Fokus war da! Everybody has to switch on, from now!
Der Kommentator im Livestream rastet komplett aus, als wir den ersten Versuch gegen die Nationalmannschaft legen.

“This try will be one of the highlights of the Central Coast 7s 2014″

…und es war erst das dritte Spiel des Tages. Auch ich war geflasht von diesem perfektem Angriff, indem die Mädels von einer Spielfeldseite zur anderen spielen, die Kontaktpunkte sauber gewinnen und ihnen in der vierten Phase der Durchbruch in der Mitte gelingt. Wir gingen in die Halbzeit mit einer Führung von 17:0. In der zweiten Halbzeit wurde ich als Wing eingewechselt. Wir beendeten unser erstes Spiel mit einem Sieg von 33:7. Wir waren sehr glücklich mit unserem Start! Es folgten zwei weitere Spiele gegen die Klubmannschaften Melbourne City und The Graduates, die wir jeweils auf Ground 2 austrugen, aber auch diese Spiele wurden samt Kommentatoren live im Internet übertragen. (Meine Mama hatte sich ernsthaft in der Nacht die Spiele online angeschaut. Respekt!)
Und auch diese beiden Gruppenspiele haben wir gewonnen. Die Frauenmannschaft Melbourne City besiegten wir 19:10 und gegen The Graduates setzten wir uns, wieder eindeutiger, mit 34:0 durch. Als erstplatzierte Mannschaft in unserem Pool D sollten wir gegen den zweitplatzierten aus Pool A antreten. Wir trafen also am Sonntag, dem zweiten Turniertag, um 9:30 Uhr gegen das unglaublich stark besetzte Team, die NZ Wasps an.
Leider hatten sich zwei unserer Spielerinnen im Laufe des ersten Turniertages verletzt, weswegen wir sonntags nun noch zu zehnt antraten – wovon wir uns aber zunächst nicht einschüchtern ließen und absolvierten ein hochkonzentriertes Warm Up. Und unser Ziel war ganz klar – die Neuseeländerinnen wollten wir besiegen – und im 7er-Rugby ist nun mal alles möglich! Ich persönlich habe ernsthaft daran geglaubt, das wir sie schlagen können.
Vielleicht mag dieses Team besser eingespielt gewesen sein, oder einige der Stammspielerinnen der Nationalmannschaft hatten das Spiel erfolgreich in die Hand genommen – die Wasps hatten definitiv ein sehr starkes und schlaues Spiel, gegen das wir leider nicht ankamen und 38:5 verloren. Aber das wichtige war, dass wir bis zum Schluss konzentriert blieben und sich keine von uns wegen eines schlechten Spiels hätte schämen müssen! Für ein paar Minuten waren wir ziemlich enttäuscht, immerhin hatten wir keine Chance mehr auf das Finale. Doch die Trainer haben uns klar gemacht, dass wir das schnell abhakten müssen, denn es folgten zwei weitere Spiele. Nun ging es ums Plate (der 5. Platz).

Wir trafen im Plate Semifinal auf eine japanische Mannschaft, gegen die wir wieder sehr erfolgreich unser Spiel durchsetzten! Ich war froh, dass es allen gelungen war das letzte Spiel beiseite zu schieben und frisch & motiviert die nächste Partie anzutreten. Das zweite Spiel auf Ground 1 gewannen wir also mit 29:5 gegen die Rugirls und schafften es ins Plate Final, in dem wir auf das starke Team Greater Sydney Rams trafen!
Die erstes Halbzeit des Spiels war ehrlich gesagt furchtbar, denn innerhalb weniger Minuten lagen drei Spielerinnen auf dem Boden, die sich verletzt hatten. Tribe-Girl Nikki hatte sich ernsthaft an der Schulter verletzt und musste, mit starken Schmerzen, ins Krankenhaus. Tess war zum Glück gleich wieder fit, nachdem sie für einen kurzen Augenblick keine Luft bekommen hatte…
Wir gingen trotz der ganzen Unruhe mit einer 10:5 Führung in die Halbzeit. Bei diesem Ergebnis blieb es dann auch…zum Glück. In einer knackigen zweiten Halbzeit haben wir vor allem mit einer guten Verteidigung Stärke bewiesen, aber leider auch nicht mehr punkten können. Doch 10:5 reichten ja aus um die Plate mit nach Hause zu nehmen und eine Siegprämie von 500€ gab es auch noch.

Die Tribe-Family war sehr zufrieden mit den erreichten Ergebnissen. Natürlich traten beide Teams, die Männer sowie die Frauen, mit der Einstellung an, das Turnier gewinnen zu wollen! Aber wir Tribe-Girls beendeten das Turnier nun als erstes Team nach den Nationalmannschaften, und damit konnten wir sehr sehr zufrieden sein!
Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht bei solch einem großem Turnier, mit solch einem gut orgainierstem Team anzutreten. Der Staff war immer darum bemüht es dem Team so angenehm wie möglich zu machen und sorgte sich darum das es den Spielern und Spielerinnen an nichts fehlt. Es kümmerten sich drei Physiotherapeuten um beide Teams, ein Trainer war ausschließlich für das Laufspezifische Warm-Up, sowie für das Cool Down nach den Spielen zuständig und jeweils ein Trainer betreute sein Team (rugbyspezifisches Warm-Up, Nominierung usw.). Der Manager der Tribe 7s organisierte zudem Verpflegung für alle (nachdem er dieses Turnier für alle erst möglich gemacht hat).  Die Bedingungen waren ideal! Ich konnte mich wirklich glücklich schätzen in Australien auf ein Team getroffen zu sein, welches die gleiche Rugbymentalität in sich trägt, wie ich sie kenne – aus meinem Heimatverein Rugby Klub 03 Berlin!

WOMEN’S KINESIO CUP FINAL
Maple Leafs 43 Aussie Pearls 7

MEN’S FITNESS FIRST CUP FINAL
Daveta 31 Wellington 19