Central Coast Sevens (Australien)

WAR DER TRAUM VON RIO UMSONST?

Obwohl immer alle sagen mit Rugby spielen kann man kein Geld verdienen und es lohnt sich nicht so viel in diesen Sport zu investieren: An alle Spielerinnen da draußen: Trotzdem kann man sich überlegen, sich vielleicht dennoch für den Leistungssport zu entscheiden. Auch dann, wenn man nach ein paar Saisons nicht für immer ausgesorgt und Millionen auf dem Konto hat. Vielleicht einfach des Stolzes wegen, für die Nationalmannschaft nominiert worden zu sein oder einfach wegen der Leidenschaft zum Rugbysport.

Ich erinnere mich an eine Spielerin die vor vielen Jahren ihr erstes Training beim Rugby Klub 03 Berlin hatte. Sie war damals total geflasht von diesen Tackels – nicht unbedingt im positiven Sinne. Doch jahrelang ging sie zwei mal die Woche zum Training, wurde teil des Teams – sie hat diesen Sport lieben gelernt. Und heute neben Beruf und anderen Hobbys, sind es mehr als nur die Rugbyeinheiten. Mittlerweile kamen Kraft- und Fitnesstraining dazu. Sie hat 7 Kilo abgenommen und heute mit 33 Jahren bei den Amsterdam Sevens ihr Turnier des Lebens gespielt, wie ich finde. Und was höre ich plötzlich: „Lass uns die Nationaltrainer nach Berlin einladen.“ Sie will zeigen was sie drauf hat! Sie merkte, das ganze Training zahlt sich aus, sie ist erfolgreich mit dem was sie tut. Der Erfolg macht süchtig. Und ich denke mir, es reizt plötzlich doch ganz OBEN mitzuspielen, weil es einfach eine besondere Ehre ist für die Nationalmannschaft zu spielen. Yeah!

Jetzt steht fest: Die deutsche Nationalmannschaft steigt ab. In der nächsten Saison wird die Frauenmannschaft des DRV in der Gruppe A spielen und nicht mehr unter den Top 12. Haben wir damals unsere Ziele etwa zu hoch gesteckt? Nö!
Ich hatte viele Diskussionen in den letzten Jahren, über genau diese Frage. Und die meisten mit denen ich gesprochen habe, denken sich jetzt wahrscheinlich: „Tja, habe ich doch gesagt: Die Frauen schaffen es nicht zu den Olympischen Spielen“. Und heute würde ich in dem Gespräch genau das gleiche sagen. Ja, ein Stützpunkt für gemeinsames Training ist genau das richtige. Ja, lass uns ein Ziel setzten und alles in den Traum von Olympia stecken. ALLES. Doch dieses ‚ALLES‘ bedeutet wirklich unglaublich viel. Um das Leben eines Leistungssportler zu leben, musst du ein Stück deines anderen Lebens regelrecht aufgeben. Ist das nicht zu viel verlangt? Immerhin kann alles umsonst sein und später hast du nichts davon?!

Wenn ich es somit zu Olympia schaffen kann, NÖ! Doch haben wir ALLES gegeben? Hat der Verband seine Mannschaft bestmöglich unterstützt und begleitet auf der harten Road nach Rio. Haben die Trainer die richtigen Trainingspläne geschrieben? Haben die Spielerinnen etwas von ihrem ‚anderem‘ Leben aufgegeben? Haben die Vereine ihre Nationalspielerinnen unterstützt? Da streiten sich die Geister. An diesem Punkt kann jeder selber mal genau überlegen, ob er denn alles geben wollte und gegeben hat…

Doch der Grundstein für den Weg nach Rio de Janeiro wurde gelegt. Denn gemeinsames Training ist das A und O, das sollte jedes Klubteam in Deutschland wissen. Nur an der Dichte der Spielerinnen hapert es gewaltig.

Ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, unglaublich viele Rugbyspielerinnen zu treffen, die genau an diesem ‚ALLES-geben‘ gescheitert sind. Persönlich. Dieses Leistungssport-Ding, tägliches Training, war einfach nicht ihr Fall und Leistungsdruck zu viel. Der Traum von Rio hat nicht gereizt.

Mich schon. So unheimlich. Wenn ich diese Chance tatsächlich in meinem Leben habe, dann probiere ich das auch aus. Und da wir ja nicht über eine Million Spielerinnen in Deutschland haben, so wie im Frauen-Fußball, mit zig Vereinen in jeder Stadt, sondern die Masse an Rugbyspielerinnen relativ überschaubar ist – dadurch kann man auch relativ schnell an diesem Traum mitwirken. Indem nur ein paar Trainingseinheiten neben dem Rugbytraining mehr absolviert werden. Oder für die ganz harten: Nach NRW gezogen wird um zum Stützpunkttraining nach Köln zu kommen.

Was soll’s?! Leistungssport ist nicht ewig möglich, wenn man jung und gesund ist sollte man die Zeit nutzten. Nach einer Verletzung kann schon alles vorbei sein, worauf warten man also?
Ich würde meinen Kindern später so gern erzählen, was für ein Gefühl es ist, DIESES Trikot, den Adler, bei einer Europameisterschaft zu tragen. Kann ich nicht. Obwohl ich jeden Tag trainiere, obwohl ich zum Stützpunkt gezogen bin und hier jetzt auch studiere. So etwas passiert halt auch. Aber ich weiß – ich habe ALLES gegeben!

TRIBE FAMILY.

Es war ein wahnsinns Start in die Saison der Tribe 7s letztes Jahr im September in Australien. Nach nur wenige Wochen zurück in Deutschland, sahen wir uns damals im November/Dezember schon wieder – ein Trainingslager in Dublin, gefolgt von dem erfolgreichen Turnier in Dubai. Nach ihrer Summer Season in Australien starteten sie nun ihre Europa-Tour. Zwei knackige Wochen in denen Tribe 7s bei den Amsterdam Sevens und den Rugby Rocks London teilnahm.

Die Woche vor dem Turnier Amsterdam Sevens traten wir in Testspiele gegen die Nationalmannschaften aus China, den Niederlande und Australien an. 

Das Finale in London bildete den krönenden Abschluss dieser anstrengenden zwei Wochen: Wir setzten uns im sechsen Spiel des Turniertages erfolgreich gegen die Nationalmannschaft aus Wales mit 24:12 durch!!!

Es ist eine riesen Ehre für mich, Teil diesen tollen Teams zu sein und mit diesen unglaublich talentierten Rugbyspielerinnen auf den Platz zu stehen. Es waren mal wieder zwei Wochen, voller unvergesslicher Momente.
Thank you Don and Tracy, Emily, Alex, Kim! #TribeFamily